Statik-Tests in der Strohscheune. Beizenporträt: Strohwerk


Statik-Tests für Strohwerk

Ortstermin in Müslen. Auf einem Bauernhof hat die Beiz Strohwerk ihr sogenanntes Strohlabor aufgebaut. Das Strohlabor ist eine grosse Scheune unweit von Rütihof. Darin stapeln sich hunderte rechteckige Strohballen. Der Geruch von frischem Stroh steigt in die Nase. Eine warme Aura umgibt den Ort. Hanspeter Wirz steht hoch oben auf dem Strohboden und wirft die grossen Ballen herab. Was aussieht wie Alltag auf einem Bauernhof, sind die Statik-Tests der Festbeiz Strohwerk. Denn die Damen und Herren haben sich für die Badenfahrt 2017 eine ungewöhnliche Beizidee einfallen lassen. Sie soll aus Stroh bestehen. Daniel Säuberli vom Organisationskomitee erklärt, wie es zur Idee kam und was die Herausforderungen bei einer Beiz aus Stroh sind: „Ein Architekt aus Dättwil hat das Konzept mit dem Strohhaus erarbeitet. Die Idee hat uns gefallen, aber wir haben nicht gewusst, wie wir das bauen sollen. Bei den ersten Tests haben wir gemerkt, dass das schwierig ist, weil unsere Konstruktionen einfach umfielen. Heute machen wir den zweiten Test mit einer verbesserten Konstruktion.“

Nach den ersten Tests im letzten Herbst war die Ernüchterung gross; man überlegte gar, die Konstruktion mit einem Gerüst zu befestigen. Mittlerweile weiss man es besser: „Wir hatten anfangs keine Streben in den Ballen. Heute werden wir Gewindedorne durch die Ballen treiben. Im Grundsatz ist das immer noch das Gleiche. Aber jetzt haben wir einen groben Plan, wie das Parterre und der 1. Stock aussehen sollen.“, so Stefan Baier, der zusammen mit Daniel Säuberli die Leitung des OK übernommen hat.

Gegensätze ziehen sich an. Rütihof + Dättwil = Strohwerk

Das Strohwerk versteht sich als Beiz, die die Gegensätze in sich vereint. Säuberli: „Die Dorfvereine Dättwil und Rütihof, beides Quartiervereine Badens, hatten die Idee, gemeinsam eine Beiz auf der Badenfahrt zu organisieren.“ Dass die Zusammenarbeit zustande kommt, ist keine Selbstverständlichkeit, wie Stefan Baier weiss: „In früheren Zeiten haben sich die beiden Dörfer nicht verstanden. Die einen sind reformiert, die anderen katholisch. Wir vom Strohwerk verstehen das als ein althergebrachtes VERSUS, das uns früher geteilt hat – und heute verbindet!“ Auch der Name der Beiz erinnert an die benachbarten und doch so unterschiedlichen Quartiere: „Strohwerk ist eine Zusammensetzung. Stroh steht für Rütihof, also Bauernhof, Landwirtschaft, Felder. Und das passende VERSUS dazu ist das Werk, also die Werkstatt, Industrie, Metall, was dann für Dättwil steht. Darin haben wir eine Spiegelung der zwei Dörfer und Dorfvereine. Generell ist das Gegensatzpaar Bauernhof/Industrie eines, das wir in unserer Beiz vereinen.“

Laut Daniel Säuberli bleiben die Rütihofer und Dättwiler diesem Gegensatzpaar nicht nur im Namen ihrer Beiz treu, auch in der Gestaltung findet es sich wieder: „Die Bar im Parterre werden wir eher im Industrie-Stil halten, also mit Metall und Ölfässern. Im 1. Stock haben wir das Restaurant, welches in ländlichem Stil eingerichtet wird. Oben Stroh und unten Werk.“

Markus Meurer und Pascal Jucker kümmern sich um die Beiz. Meurer verrät einige Details zum kulinarischen Konzept: „Auch vom Essen her haben wir uns dem Gegensatzpaar Stroh/Werk verschrieben. Oben wird es Rösti geben, wie die Bauern sie früher gegessen haben. Was ursprünglich eine Beilage war, machen wir zum Hauptgericht. Natürlich werden wir auch Erweiterungen anbieten, also Spiegeleier, Speck, Pilz-Kalbsragout oder Salat. Als Dessert bekommt man dann tolle hausgemachte Rüeblischnitten. Unten setzen wir hauptsächlich auf coole Drinks sowie Speck- und Käseplatten für den kleinen Hunger.“

Kuhmelken und Geschichtenerzählen

Insgesamt scheinen die Macher des Strohwerks ihre Beiz-Geschichte gut ausgearbeitet zu haben. Die Idee des Gegensatzpaars von Bauernleben und Industrie zieht sich durch alle Bereiche der Festbeiz. Der Charme des Bauernlebens wird sich in den Spielen wiederfinden, die die Macher der Beiz vorgesehen haben. „Es wird etwa ein Spiel geben, wo man gegeneinander einen Nagel in ein Brett schlagen muss. Wer das am schnellsten oder mit den wenigsten Schlägen schafft, gewinnt.“, erklärt Markus Meurer, und Stefan Baier fügt hinzu: „Am liebsten hätten wir Hufeisenwerfen gehabt, aber das ist bei der Menge an Menschen ein bisschen gefährlich. Dafür werden wir eine fast lebensgrosse Kuh aufstellen. An dieser Kuhattrappe wird man dann das Melken erlernen können.“ Auch sonst haben die Macherinnen und Macher der Beiz an die Kinder in Baden und Umgebung gedacht.  „Wir haben die Schulen Dättwil und Rütihof mit ins Boot geholt. Die werden Kurzfilme zum Thema VERSUS drehen, die wir dann im Restaurant und in der Bar zeigen. Und die Olfässer, die im Parterre als Bartische fungieren, haben wir auch den Schulen überlassen, die sie anmalen und dekorieren werden.“ Den Machern ist es wichtig, nicht nur eine Trink- und Ess-Beiz zu sein. Sie wollen die eigene Tradition lebendig weitergeben. So kam ihnen auch die Idee mit dem Geschichtenerzähler: „Wir haben den letzten Bauern von Dättwil für unser Projekt gewinnen können. Walti Vögeli ist ein Unikat, das jeder kennt. Er wird jeden Tag zu uns kommen und vielleicht zehn Minuten eine Geschichte zum Besten geben. Er hat so viele Geschichten im Kopf und ist auch ein toller Vorleser.“, so Markus Meurer.

Test-Essen unterbricht Statik-Test

In der Strohscheune hat sich mittlerweile einiges getan. Weitere OK-Mitglieder sind gekommen und haben Essen mitgebracht. Neben der Statik soll heute auch ein Take-Away-Gericht getestet werden. Die gefüllten Rösti-Taschen bringen die Statik-Tests für einige Augenblicke zum Stillstand. Alle stehen in der Scheune rum und schmelzen vor den leckeren Taschen dahin.

Ein Blick auf die Strohkonstruktion gibt Grund zur Hoffnung: Die Wand steht! Die gestapelten Ballen (es braucht mindestens 6 Lagen, damit der Raum hoch genug ist) sind oben und unten mit Holzbalken und Streben verstärkt. Sicher ist sicher. Apropos Sicherheit: Vom Brandverhalten ist geballtes Stroh mit Holz vergleichbar. Auch darauf sind die Strohwerker vorbereitet, wie Baier berichtet: „Wir haben in Absprache mit der Feuerwehr dafür gesorgt, dass sich unter dem Boden im Parterre ein Löschschlauch befindet, der im Bedarfsfall in wenigen Sekunden einsetzbar ist.“

Stroh für einen guten Zweck

Um die Dorfvereine finanziell zu entlasten, hat sich das OK der Festbeiz Strohwerk etwas Spezielles einfallen lassen. Stefan Baier: „Wir verkaufen die Strohballen symbolisch an Gönner. Je nach Höhe der Zuwendung bekommt jeder Gönner ein spezielles Geschenk.“ Passend zum bäuerlich-industriellen Konzept wird es als Geschenke Schneidebretter und Rucksäcke mit Strohwerk-Logo geben. Die Bretter haben die OK-Mitglieder in Handarbeit in einer kleinen Werkstatt in Rütihof selbst hergestellt; „bei den Rucksäcken war uns wichtig, dass sie von der ARWO in Wettingen produziert werden.“, so Baier weiter. Grosszügigere Gönner bekommen neben dem Schneidebrett einen Strohhut – gegen die Augustsonne an der Badenfahrt – oder eine Flasche des Single Malt-Whiskeys, der ebenfalls in Rütihof produziert wird. Na dann, Prost und bis zur Badenfahrt 2017!

Name: Strohwerk
Besonderheit: Beiz aus Stroh
Fläche: ≈170 m², 70 Sitzplätze
Lage: Am Kirchplatz in der Altstadt
Programm: Täglich: Geschichtenerzähler Walti Vögeli und Spiele für kleine und grosse Kinder
Links: www.strohwerk.ch, www.facebook.com/strohwerk, www.twitter.com/strohwerk2017

Strohlabor der Festbeiz Strohwerk
Hanspeter Wirz auf dem Strohboden für Strohwerk
Eine Wand für das Strohwerk steht bereits
Ein starkes Fundament für das Strohwerk
Statik-Tests in Renaissance-Ästhetik
Hoch oben auf dem Stroh
Das Organisationsteam der Fetbeiz Strohwerk
Gönner-Geschenk Strohhut
Selbstgemachte Schneide- und Servierbretter
Rüttihofer Whiskey für das Strohwerk

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