Erste Bilanz nach Badenfahrt 2017


Erste Bilanz nach Badenfahrt 2017

Die Badenfahrt 2017 war ein voller Erfolg. Rund 1,2 bis 1,3 Millionen Menschen bevölkerten während zehn Tagen die Bäderstadt. Bis auf den etwas verregneten Start am Freitagabend und die nasse Abkühlung am Donnerstagabend lachte für die Besucherinnen und Besucher die Sonne. Das Fest verlief bis auf einige Zwischenfälle in den frühen Morgenstunden friedlich.

Gäste aus der ganzen Schweiz, aus dem nahen und aus dem fernen Ausland reisten nach Baden, um die Badenfahrt hautnah mitzuerleben. Die Stadt Baden kann mit Stolz sagen, dass ihr Fest absolut einzigartig und unerreicht ist. Mindestens 10'000 Helferinnen und Helfer standen während den zehn Tagen im Einsatz. Dies entspricht der Hälfte der Badener Bevölkerung. Sanität, Polizei und Sicherheitsdienst nicht inkludiert.

Das rund 32 Fussballfelder grosse Festgebiet zeichnete sich durch mannigfaltige Untergebiete aus. So beispielsweise die alternative Bühne Polygon, das etwas ruhigere Gebiet im Kurpark, abwechslungsreiche Foodmeilen in der Weiten Gasse und in der Badstrasse sowie die bebaute Hochbrücke. Die Kreativität der Festbeizen, die Vielfalt an kulturellen Darbietungen und die bleibenden Eindrücke sind immens. Knapp 130 Konzerte fanden auf den drei Bühnen des OKs statt, total konnten gegen 1’000 verschiedene Unterhaltungsprogramme besucht werden. Die schönste Festbeiz wurde vom OK mit 10'000 Franken Preisgeld ausgezeichnet. Die Gewinnerin heisst usVers und wurde komplett aus Büchern erbaut.

OK hat laufend optimiert

Das langgezogene Festgelände vom Kurpark bis zum Sportplatz Aue hat sich bewährt, dennoch wurde es bereits am ersten Wochenende an einigen Stellen eng. So beispielsweise auf dem Schlossbergplatz oder vor den Bögen unterhalb der Hochbrücke. Das OK optimiere während den zehn Tagen stetig: Die Hochbrücke wurde komplett gesperrt und die Busse umgeleitet, die Sicherheitskräfte wurden aufgestockt, ebenso wurde der öffentliche Verkehr ausgebaut und die Anzahl Toiletten erhöht. Die ausgegangenen Plastikfestpässe stockte das OK rasch mit Bändeli aus Papier auf. Um den Besucherstrom zu optimieren, musste leider die bei den Gästen äusserst beliebte Lichtshow auf dem Stadtturm gestoppt werden. Der Künstler Pascal Arnold erhielt übrigens für seine Arbeit den mit 10'000 Franken dotierten Preis der Vereinigung UKURBA. Wider Erwarten nahmen die Besucherzahlen auch unter der Woche nicht gross ab. Der Donnerstagabend war der ruhigste Abend mit rund 30'000 Besucherinnen und Besuchern.

Abfall

Am Stadtfest 2012 waren rund 600'000 Mehrwegbecher im Umlauf. An dieser Badenfahrt waren es rund eine Million Becher. Dank der Mehrwegbecher konnte der Abfall deutlich reduziert werden. Genaue Zahlen liegen aktuell noch keine vor. Die Abfalltrennung mittels der 3er-Kübel-Kombination funktionierte relativ gut. Vor allem die Rücklaufquote von ALU und PET ist erfreulich. Bei der Morgenreinigung waren keine speziellen Vorkommnisse zu verzeichnen, das Team vom Werkhof hatte aber während den zehn Tagen dennoch alle Hände voll zu tun. Als Novum können erstmals auf badenfahrt.bauteilclick.ch noch bis Ende Oktober verschiedene Bauteile und Utensilien erworben werden.

Sicherheit

Die Badenfahrt 2017 mit den hohen Besucherzahlen bescherte der Stadtpolizei Baden und der Regionalpolizei Wettingen sowie den privaten Sicherheitsdiensten viel Arbeit. Der Festverlauf ab Festbeginn bis Mitternacht verlief meistens friedlich und besonnen. Ab Mitternacht kippte die Stimmung teilweise. Die täglichen Streitigkeiten und die teilweise gereizte Stimmung nach Mitternacht belastete den Einsatz der Sicherheitskräfte. Es kam zu Schlägereien, kleineren Diebstählen und Pöbeleien. Glücklicherweise gab es keine gravierenden Ereignisse. Die Zusammenarbeit mit dem OK Badenfahrt, der Regionalpolizei Wettingen, der Kantonspolizei Aargau, dem Zivilschutz, dem RFO, der Sanität, der Feuerwehr wie auch mit den privaten Sicherheitsdiensten hat sich bestens bewährt. Ohne dies Partner, insbesondere der Repol Wettingen, wäre die Belastung über 10 Tage nicht haltbar gewesen. Ein grosses Dankeschön an die Gemeinde Wettingen.

Sanität

Total verzeichneten die Sanitäter und Rettungskräfte 816 Bagatell-Vorfälle und 77 Personen mussten hospitalisiert werden. Dies vorwiegend wegen Alkohol. Die Zahlen sind vergleichbar mit der Badenfahrt 2007.

ÖV

Highlights:

  • Über 1 Mio zusätzlich beförderte Fahrgäste (Hin- und Rückreise)
  • Über 4300 zusätzliche Busfahrten und 50 Nacht-Extrazüge, hunderte von Regelbussen/Zügen verstärkt
  • 270 Kundenlenker an den Haltestellen und am Bahnhof im Einsatz
  • Lockere, fröhliche Stimmung, keine Unfälle oder negativen Zwischenfälle mit Fahrgästen während den 10 Tagen
  • Angebotskonzept hat sich bewährt, Fahrgäste schätzten das Mehrangebot sehr

Herausforderungen:

  • Ausserordentlich grosser Besucheraufmarsch am ersten Wochenende und unerwartet viele Festbesucher am Mo - Mi aus Limmattal/Zürich und Aarau
  • Sperrung der Hochbrücke
  • Unverständnis der Festbesucher aus Limmattal/Zürich und Aarau, dass Festpass nur im Ostaargau als Bahnbillett gültig.
  • Privater Dampfzug Mikado führte zu Sperrung Tunnel nach Wettingen am So, 20.7. für 1 Stunde

Bericht RVBW

  • Rund 400‘000 zusätzlich beförderte Fahrgäste
  • Über 2000 zusätzliche Fahrten, hunderte von Kursen mit Zusatzbussen verstärkt
  • 100 Kundenlenker an den Haltestellen im Einsatz
  • 100 Mitarbeitende im Fahrpersonal täglich im Einsatz (Ferienstopp)
  • 51 Gelenkbusse und 4 Normalbusse täglich im Einsatz
  • 16`000 Liter Diesel wurden für die Badenfahrt zusätzlich verbraucht
  • Keine Unfälle oder Schadenfälle
  • Viele positive Rückmeldungen unserer Fahrgäste
  • Angebot hat sich bewährt

Ausführungen:

  • Aufgrund des hohen Verkehrs- und Fahrgastaufkommens während der Woche kam es regelmässig zu Verspätungen. Betroffen waren vor allem die Linien 1, 6 und 7. Aufgrund des dichten Fahrplanangebotes (7.5 Min. – 15 Min.-Takt) konnten alle Fahrgäste ans Fest und wieder nach Hause gebracht werden. Die Wartezeit für die Fahrgäste betrug max. 10 Minuten.
  • Zusatzkurse: Im Verhältnis zum normalen Fahrplan bot die RVBW mit dem Festfahrplan ca. 2000 zusätzliche Fahrten auf dem Liniennetz an. Fast alle Linien, die durch Baden fahren, hatten durchgehend einen 15 Min.-Takt, ausser der Linie 5 (30 Min.-Takt) und der Linie 4. Die Linie 4 wurde 2 Stunden länger gefahren als im normalen Fahrplan. Eine weitere Verlängerung war aus Personal- und Fahrzeugkapazitätsgründen nicht möglich.  Viele Fahrten wurden mit Zusatzfahrzeugen verstärkt um die Festbesucher bei Festbeginn ans Fest zu fahren und nach Festschluss nach Hause zu bringen.
  • Fahrzeuge: Total waren während der Badenfahrt 51 Gelenkbusse und 4 Normalbusse im Einsatz. Das bedeutet an den Festwochenenden fast einen 24 Stundenbetrieb. Das Depotpersonal war deshalb immer bis ca. 2 Stunden nach Festschluss im Einsatz um das Betanken und Reinigen der Fahrzeuge zu gewährleisten. An den Wochenenden mussten die Busse zusätzlich während des Tages aufgetankt werden.
  • Zusammenarbeit: Die Zusammenarbeit mit der Postauto AG, der Stadtpolizei und dem OK der Badenfahrt funktionierte sehr gut und war durch kurze Kommunikationswege gekennzeichnet.

Strom- und Wasserversorgung

Insgesamt wurden ca. 150 provisorische Wasserbezugsmöglichkeiten für Beizen, Stände und WC-Wagen eingerichtet. Die Versorgung mit Strom und Wasser verlief während den zehn Tagen ohne nennenswerte Störungen. Um den Strom zu den gewünschten Mengen am richtigen Ort liefern zu können, wurden neben den vorhandenen Anlagen zusätzlich eine provisorische Trafostation für den Lunapark sowie rund 100 provisorische Verteiler errichtet und mehrere Kilometer Kabel verlegt. Die Badenfahrt benötigte etwa so viel Strom, wie die Gemeinde Neuenhof. Für die Beleuchtung der Wege wurden 1.6 Kilometer Girlanden montiert.

App, Social Media und Website

Das Kommunikationsverhalten hat sich seit 2012 stark verändert. Umso grösser war die Bedeutung der Sozialen Medien, der App und der Website. Die App verzeichnet insgesamt rund 60'000 Downloads. Bestes Ranking im Google Play Store (Schweiz): 1 und bestes Ranking im Apple App Store (Schweiz): 8. Insgesamt wurden 33'541 Blumen beim Voting zur schönsten Festbeiz vergeben. Mittels Push-Nachrichten konnten die Festbesucher auch kurzfristig über verschiedene Dinge informiert werden. Die Badenfahrt-Community ist äusserst aktiv in den Sozialen Medien. Das ist sehr erfreulich und bescherte der Badenfahrt eine Bekanntheit bis weit über die Landesgrenzen hinaus.

Zahlen vom Info-Stand der Stadt Baden

Der Info-Stand der Stadt Baden wurde rege genutzt. Vor allem die Karten des Festgeländes waren sehr beliebt. Bis Sonntagabend wurden 130 Fundgegenstände abgegeben. Diese können während den normalen Öffnungszeiten im Stadtbüro abgeholt werden.

Die Ärgernisse

Ärgerlich waren die Verfehlungen einiger weniger Beizen bezüglich Lautstärke sowie bezüglich Einhaltung der offiziellen Festzeiten. Jede Nacht wurden Messungen durch die  Polizei vorgenommen. Das OK griff nach vorgängigen Verwarnungen durch und untersagte ein Konzert sowie schaltete bei drei Festbeizen die Musik ab. Ebenso ärgerlich ist das wild Urinieren der Festbesucher.

Fazit des OK-Präsidenten

Dennoch ist OK-Präsident Adi Hirzel rundum zufrieden. Die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Beteiligten funktionierte sehr gut. Alle zogen an einem Strick. Die Badenfahrt 2017 wird wiederum für viele unvergesslich bleiben. In den nächsten Tagen finden nun zahlreiche Gespräche zwischen allen Beteiligten statt, um die Learnings für das nächste grosse Fest zu dokumentieren. Schon heute kann das OK sagen, dass das Fest auch finanziell positiv abschliessen wird. Und dann kommt die Zeit der Wehmut und der schönen Erinnerungen.

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