Tipitina’s – ein Spaziergang mit den Machern der Blues- und Jazzbühne


Die Macher hinter Tipitina’s: (v.l.n.r.) Martin Fröhlich, Susanne Slavicek und Ruedi Stampfli

Es ist ein nebelig sonniger Frühlingsmorgen. Noch hat Baden Schlaf in den Augen, aber der Duft frischen Kaffees und süsser Spanischbrödli steigt allerorten in die Nasen. Noch deutet nichts auf die riesige Party hin, die hier schon bald, im August, gefeiert werden wird. Tausende Menschen arbeiten im Stillen, damit pünktlich zum 18. August alles bereit steht. Wir haben drei von ihnen getroffen und einen Spaziergang durch Baden gemacht. Susanne Slavicek, Martin Fröhlich und Ruedi Stampfli kümmern sich um Tipitina’s, die Blues- und Jazz-Bühne an der diesjährigen Badenfahrt.

Badenfahrt: Wie laufen die Vorbereitungen für die Badenfahrt?

Slavicek: Im Gegensatz zu 2007 sind wir diesmal mit vielen Dingen schon viel früher parat. Wir haben allein für die Beiz gut 500 Einsätze, für die wir also genügend Leute haben müssen. Vor 10 Jahren sind wir am Freitag in die Badenfahrt gestartet und mussten am ersten Abend ziemlich improvisieren. Das sollte uns dieses Mal nicht passieren.

Fröhlich: Das Besondere an der Badenfahrt ist, dass wir fast 40 Bands engagiert haben. Das Managen einer solchen Anzahl ist eine riesige Aufgabe. Sie macht grossen Spass, sonst würden wir das alles nicht in unserer Freizeit tun. Die Vorbereitungen laufen schon seit einiger Zeit, die erste Sitzung hatten wir 2015.

Nach welchen Kriterien wählt ihr die Künstler aus?

Fröhlich: Wir haben viele Bandanfragen über das Badenfahrt-Portal und per Mail bekommen. Daneben hatten wir Bands im Visier, die wir buchen wollten. Wichtig ist, dass die Bands vom Genre und preislich in unser Konzept passen. Das ist das eine. Zum anderen ist die Qualität ausschlaggebend. Eine Band muss nicht unbedingt bekannt sein, um an der Badenfahrt zu spielen, aber sie muss gut sein, sie muss unseren Qualitätsansprüchen entsprechen.

Woran liegt es, dass die Gagen nicht so hoch sind?

Fröhlich: Das liegt unter anderem auch am Marktwert des Genres Blues. Im Bereich Schlager sind die Gagen im Moment extrem hoch. Diese Stilrichtung füllt Hallen und die Musiker wissen, was sie verlangen können. Abgesehen von Eric Clapton oder Joe Bonamassa kann man im Blues keine grossen Hallen mit Zuschauern füllen.

Wo kommen die Blues-Grössen her?

Fröhlich: Der typisch amerikanische Blues kommt immer noch aus den USA. Das hat wohl damit zu tun, dass der Blues dort noch mehr verankert ist.

Slavicek: Wir beobachten im BLUUS-CLUB und am Bluesfestival, dass die Assoziation Blues = Amerika noch häufig ist. Unser Credo ist jedoch: Der Blues ist dort daheim, wo er gespielt wird. Es hat hervorragende Blueser in Finnland, Lettland, Norwegen, Spanien und anderen Ländern. Auch in der Schweiz ist die Bluesszene interessant und qualitativ sehr hochstehend.

Fröhlich: Jedoch ist das Bild, dass ein Bluesmusiker schwarz sein muss, immer noch vorhanden.

Stampfli: Diese Schubladisierung: Am Blueskonzert ein Afroamerikaner mit Gitarre, am Countrykonzert ein Weisser mit Cowboy-Hut und Jeans, verhindert manchmal, dass man die Veränderung und Weiterentwicklung im Blues wahrnimmt und akzeptiert. Mit dieser Musik passiert nämlich etwas: In den letzten Jahren ist man hauptsächlich in den USA experimenteller geworden. Die Vermischung und Ergänzung mit weiteren Stilrichtungen wie z.B. Funk, Jazz oder Swing beleben die Musik und machen sie ungemein interessant.

Jetzt haben wir viel über Blues gesprochen. Eure Bühne ist aber die Blues- und Jazz-Bühne. Was ist mit Jazz?

Fröhlich: Blues und Jazz sind zwei Musikrichtungen, die sehr nah beieinanderliegen. Der Jazz ist aus dem Blues entstanden. Eine genaue Trennung, wo Blues aufhört und wo Jazz anfängt, kann oft nicht gegeben werden. Die Jazz-Bands, die bei uns spielen werden, kommen hauptsächlich aus der Schweiz. Viele von ihnen stehen dem New-Orleans-Stil nahe und haben auch Elemente des Ragtime und des Swing in sich – typisch für New Orleans. Tipitina’s, der Name unserer Bühne, ist ursprünglich auch ein Jazz-Club in New Orleans.

Stampfli: Wir haben aber durchaus auch experimentelle Musik auf der Bühne. Wir haben letztes Jahr Richard Köchli und das Kammerensemble des Argovia Philharmonic zusammen auftreten lassen. An der Badenfahrt spielen sie nun das 4. Mal zusammen auf einer Bühne.

Slavicek: Mit diesem Experiment wollen wir etwas Neues erschaffen: Ein Zusammenspiel von Klassik und Blues in dem auch die klassischen Musiker anfangen zu improvisieren. Damit ist nicht gemeint, dass die klassische Musik nur etwas verstärkt, wie es etwa bei Rock Meets Classic der Fall ist.

Was ist jetzt für euch noch zu tun?

Fröhlich: Bislang waren wir in der Projektphase und jetzt beginnt die Macherphase, wo auch die Beiz gebaut werden muss. Vorher sind die Gedanken auf Papier gewesen, jetzt entstehen die Dinge in Wirklichkeit. Alleine für Bühne, Technik, Licht und Künstlerbetreuung werden wir ein knappes Dutzend Helfer brauchen. Das läuft dann zehn Tage so, unter der Woche von mittags bis 2 oder 3 Uhr morgens und am Wochenende fast 24 Stunden.

Stampfli: Wir sind ja während der Badenfahrt auch für die gesamte Verpflegung der Musiker verantwortlich. So sind wir auf die Idee mit der Beiz gekommen.

Wie kann man sich eure Beiz vorstellen?

Slavicek: Die Beiz selbst erinnert an das Tipitina’s in New Orleans. So ein typischer Juke Joint.

Fröhlich: Das Essen ist von den US-amerikanischen Südstaaten inspiriert. Oben im Restaurant wird es Jambalaya geben, eine kreolische Spezialität; ein Reisgericht mit gebratenem Reis, vegetarisch, mit Fisch oder Fleisch.

Slavicek: Mit speziellen Gewürzen, die wir aus den USA importieren. Unsere Köchinnen und Köche haben das schon vor 10 Jahren zubereitet und es ist sehr gut angekommen. Als Take Away bieten wir Bagels an.

Fröhlich: Die Bagels sind eigens für uns kreiert worden. Ich würde behaupten, dass das einer der besten Bagels sein wird, den man je gegessen hat. Mit dem Originalrezept für Bagels und der ursprünglichen Zubereitungsart – also auch, dass sie vorher kurz in Wasser gekocht werden. Die Zutaten werden alle biologisch und regional produziert.

Was ist für euch das Besondere an der Badenfahrt?

Slavicek: Wenn man es noch nicht erlebt hat, ist es kaum vorstellbar, aber bis jetzt habe ich es immer so empfunden, dass Baden an der Badenfahrt zusammenwächst, wie eine Einheit. Kooperation wird wirklich gelebt. Alle helfen einander und unterstützen sich gegenseitig. Das ist ein spezielles Gefühl in der Stadt, das noch einige Zeit anhält – wirklich einzigartig.

Fröhlich: Es ist eine kleine Stadt, wo man sich kennt. Die Atmosphäre ist anders als in anderen Städten. Die Badenfahrt ist nicht einfach ein Stadtfest, sondern eher etwas wie ein Quartierfest, also sehr persönlich. Die Mottos, die sich durch die ganze Stadt ziehen und denen sich die Beizen anschliessen, hat man auf einem normalen Stadtfest auch nicht.

Und worauf freut ihr euch am meisten?

Slavicek: Ich freue mich auf den ersten Tag, wenn alles vorbereitet ist und es endlich losgeht und auf die vielen tollen Momente, die dann folgen. Ich weiss noch, vor zehn Jahren waren die Nachtwachen das Eindrücklichste für mich. Wenn man mit Helfern von anderen Vereinen die Nacht durchmacht, um den Platz zu bewachen, wenn die Stadt ganz ruhig wird und man die Sonne aufgehen sieht. Das waren sehr berührende Momente, vor allem wenn dabei gute Gespräche geführt werden. Diese Begegnungen waren besonders und bleibend.

Fröhlich: Ich freue mich auf die gesamte Badenfahrt. Man kommt da in einen besonderen Vibe: Was einen sonst beschäftigt, ist weiter weg und man ist einfach da. Musik, Menschen, Festival, Party. Das gesamte Paket.

Wir danken für das Gespräch.

Spaziergang durch Baden mit den Machern der Blues- und Jazzbühne
Susanne Slavicek, Martin Fröhlich und Ruedi Stampfli
Die Macher von Tipitina’s Blues- und Jazz-Bühne
Hier wird sie stehen, die Blues- und Jazz-Bühne

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