MYXOMYCETEN

Der Künstler Christian Greutmann lässt überdimensionierte, bunte Myxomyceten, oder auf deutsch Schleimpilze, über die Fassade des Trudelhauses wachsen. Mikro vs. Makrokosmos, die Natur erobert ein Stück Stadt zurück! 

Myxomyceten oder auf deutsch Schleimpilze gehören zu einer sehr frühen Lebensform unseres Planeten, die sich bis in die heutige Zeit ohne grosse Veränderung fortgepflanzt und vermehrt hat. Myxomyceten haben für ihren Fortbestand einen biologisch eigenartigen Weg gewählt, statt mit Zellteilung arbeiten sie mir Zellvereinigung. Ihr Lebenszyklus beginnt aus einem Sporenpulver, das so leicht ist, dass es über riesige Distanzen verbreitet werden kann. Mithilfe der grossen Windströme in unserer Athmosphäre werden die Sporen weltweit verbreitet, deshalb findet man auf den gleichen Breitengraden dieselben Myxomycetenarten vor. Aus den Sporen wachsen tausende kleine, spermaartige Einzeller, die Myxoflagellate, die sich mit einer Schwanzbewegung fortbewegen können. Unter günstigen Bedingungen bilden die Myxoflagellate einen gemeinsamen Bewegungsstrom und vereinigen dabei ihre Zellkerne. Es entsteht eine einzige, wabernde grosse Zelle, die auf Nahrungssuche geht. Im Fressstadium sucht die Zelle Bakterien, Pilze und Stärke und kann unter günstigen Bedingung bis zu 20 cm gross werden und sich dabei sogar langsam fortbewegen. Hat sie genug gefressen, erstarrt sie an Ort und bildet hunderte wundersamer Fruchtknoten, glänzende Kugeln, Stäbchen oder birnenförmige Keulen. Diese platzen auf und verteilen ihre Sporen wieder in die Athmosphäre.

Myxomyceten sind auch in unseren Wäldern oder an Flussrändern weit verbreitet. Im Mittelalter bekamen sie Fantasienamen wie Drachendreck und Hexenbutter. In Mexico wird eine Myxomycetenart sogar grilliert gegessen, sie wird dort „Caca de Luna“, „Mondscheisse“ genannt.

CG: „Meine Arbeit ist keine wissenschaftliche. Mich hat neben der biologischen Vielfalt vielmehr die Formen- und Farbenwelt der Mikroorganismen fasziniert. In metallischem Blau, in glitschigem Pink oder in diabolischem Schwefelgelb verbringen die Schleimpilze ein Schmarotzerleben, verdauen, was ihnen in den Weg kommt und verschwinden so rasch, wie sie gekommen sind. Diese Urlebenform fasziniert mich auch als Metapher, diese Schmarotzer sind älter als wir alle, ihnen gelingt das überleben mit einer gemeinsamen Unterordnung und Vereinigung und sie werden uns dazu wahrscheinlich noch lange überleben. Ich lasse in meiner Arbeit die Myxomyceten über die Fassade des Trudelhauses wuchern. Die Masse scheint aus den Dachfenstern und Dachrändern zu quellen und wächst  nach unten. Auf ihrem Weg platzt die Masse auf, bildet Skurrile Fruchtkörper, die leuchtend in der Nacht erstarren“.Der Künstler Christian Greutmann lässt überdimensionierte, bunte Myxomyceten, oder auf deutsch Schleimpilze, über die Fassade des Trudelhauses wachsen. Mikro vs. Makrokosmos, die Natur erobert ein Stück Stadt zurück! (...)

visarta-aargau.ch/austellungsraum

christiangreutmann.ch

 

Konzept und Realisation: Christian Greutmann in Zusammenarbeit mit dem Trudelhaus, in Absprache mit der Festgestaltung. 

Jetzt Artikel teilen:

Zurück